Eberswalder Schützengilde 1588 e. V.
Schießsportzentrum Eberswalde

Zur Geschichte der Eberswalder Schützengilde

 

Wie alles begann...

Im Jahre 1588, bestätigte am 3. Juli der brandenburgische Kurfürst Johann Georg (1571-1598) die Eberswalder Schützengilde. In dieser Urkunde ist die Rede davon, daß "das Schießen zur Scheibe in unseren Städten ein altes löbliches Herkommen" hat und "dasselbe von unseren Vorfahren ...allweil mit Gnade gefördert" worden ist. 

Das Scheibenschießen "soll jährlich alle Sonntage zwischen Ostern und Michaelis (29.September) stattfinden; im Falle der Nichtbefolgung wird der "Verlust dieser Freiheit und unseres Privilegs" angekündigt.

Wir können aus dieser Urkunde entnehmen, daß die Eberswalder Schützengilde 1588 bereits bestand. Wann sie gegründet wurde, ist nicht mehr zu ermitteln.

Aus der allgemeinen und regionalen Geschichte wissen wir, daß erste Schützengilden bereits um 1350 aus den Übungen der waffenfähigen Bürger zur Stadtverteidigung entstanden sind. In der nördlichen Mark Brandenburg lassen sich zum Beispiel die Gilden von Strasburg bis ins Jahr 1419 (nach heldenhafter Stadtverteidigung) und in Oderberg bis 1425 urkundlich zurückverfolgen.

Beim jährlichen Wettschießen wurde der beste Schütze zum Schützenkönig ernannt, während der Schütze, der den schlechtesten Schuß abgab, durch den Pritschenmeister (Spaßmacher) mit Schlägen bestraft wurde; später belegte man Fehlschüsse mit Bußgeldern zugunsten der Gildekasse.

Wer Mitglied der Schützengilde werden wollte, mußte nach dem Statut die Bürgerrechte erworben haben. Weiterhin hatte er der Gildekasse, dem Stadtschreiber und der Kirche Geld zu entrichten. Er mußte ehrbar sein, sollte weder fluchen noch lästern und stehts in einem löblichen Gewande auftreten.

Über das Schicksal der Eberswalder Schützengilde im 17. Jahrhundert haben sich leider keine Nachrichten erhalten, so wissen wir auch nicht, welche Rolle sie im 30 jährigen Krieg spielte; sicher wurde sie aufgerieben.

1703 ließ der erste Preußenkönig Friedrich 1. (1701-1713) die Gilden in der Mark erneuern und zu Schützenkompanien formieren. Die Eberswalder Kompanie war inzwischen so erstarkt, daß sie 1705-1707 ihr erstes Schützenhaus errichtete. Es stand vor dem unteren Stadttor, wo heute die Gebäude der Post und der "A. v. Humboldt"-Oberschule stehen. Die Schießbahn erstreckte sich in Richtung des heutigen Karl-Marx-Platzes.

Unter König Friedrich Wilhelm 1. (1713-1740) wurden die jährlichen Geldzuwendungen für die Schützenkompanien gestrichen. Aus den Schützengilden- bzw. -kompanien wurden - falls sie nicht vorübergehend ganz eingingen - private Vereine, die höchstens noch städtische Förderungen erhielten.

Auch in Eberswalde gingen die Aktivitäten der Schützen zurück. Die Stadt annektierte das Schützenhaus und verkaufte es 1723. Danach verstummen die Quellen für rund 100 Jahre. 

 

 











  

 



Nach den Befreiungskriegen entstand in Preußen bei ehemaligen Mitgliedern der Bürgergarden der Wunsch, die alten Schützengilden erneut zu beleben. So meldeten sich Anfang 1818 in Eberswalde 80 Mann als Mitglieder, die am 6. April in einer Versammlung beschlossen, auf dem Schanzenberg (heute Schützenplatz) einen Schießstand zu errichten. Hier fand am 12. Mai das erste Scheibenschießen statt, auch eine Schützenlaube mit Saal und Schankraum war bereits errichtet. Der Kaufmann D. F. Meißel wurde hier erster Schützenkönig. An diesem Tag fand fortan alljährlich das Königsschießen statt.

Schützenkönig 1819 wurde Ch. F. Schönebeck, dessen Auszeichnung, ein großer 8 strahliger silberner Stern mit entsprechender Gravierung den Mittelpunkt der Eberswalder Königskette bildete. Daneben entstanden nach und nach die Schützenketten für den 1. und 2. Ritter und den Vogelkönig (alle im Heimatmuseum). Die Ketten sind über und über mit Medaillen, Münzen und Erinnerungszeichen mit Namensgravierungen behängt.

1826 entstand anstelle der abgebrannten Laube ein neues, festes Schützenhaus. 1945 brannte es ab.

Während bei den internen Zusammenkünften der Mitglieder neben der Königstreue ab Mitte des 19. Jahrhunderts besonders der nationale Gedanke gepflegt wurde, waren die Schützenfeste mit dem Königs- und Vogelschießen von Anfang an sehr beliebte Volksfeste.

Höhepunkte, die lange in Erinnerung blieben, waren die Jubiläumsfeste, in Eberswalde besonders das Jubelfest und der große Festumzug zum 300 jährigen Bestehen im Juni und August 1888, an denen sich zahlreiche Schützenvereine aus der Nachbarschaft beteiligten. Gleichartige Jubelfeiern fanden zuvor 1885 in Wriezen und 1886 in Bernau statt, wo jeweils Eberswalder Schützen Jubelkönig wurden.

Ab Ende der 1920er Jahre machte sich nationalistisches Gedankengut auch in den Reihen der Schützenvereine bemerkbar, im Verlaufe des 2. Weltkrieges hörten sie auf, zu bestehen. 

Doch die Andenken der alten Traditionen haben sich die Eberswalder bewahrt. So kam es 1990 zur Neugründung des Vereins, der bis heute an Bräuchen festhält. Der Verein führt den Namen "Eberswalder Schützengilde 1588 e.V." und hat seinen Sitz in Eberswalde an der  Wolfswinkler Straße 19. Nach wie vor werden Königsketten und Orden für besondere Leistungen verliehen. 


Am 4. Dezember 2015 nahmen die Deutsche UNESCO- Kommission und die Kultusministerkonferenz das "Schützenwesen in Deutschland" in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf.













  • Literatur
  • Bellermann, Berlin 1829 
  • Neumann, D.: Festschrift August 1888 
  • Schmidt, R.: Eberswalde 1912
  • Schmidt, R.: Eberswalde 1939
  • Verfasser: Dr. G. Friese und K. Friese
  • Bildmaterial Museum Eberswalde



 


 

 

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